Presseartikel

Nirgendwo sirren mehr Sägen in Europa Schwäbische Post - 14.06.2012

Nirgendwo sirren mehr Sägen in Europa



Auf der und rund um die Ostalb herrscht eine europaweit einmalige Dichte von Sägewerken. Mehr als 60 Betriebe sind hier zu Hause – vom kleinen Bauholzsäger bis zum Großbetrieb, der 1,5 Millionen Festmeter Holz pro Jahr verarbeitet. Und: Unter Federführung der WiRO wurde mit den Landkreisen Ostalb, Heidenheim und Schwäbisch Hall die Initiative „Holzkompetenz hoch drei“ initiiert. Sie hat eine Studie erarbeiten lassen, die die regionalen Potenziale der Branche aufzeigt.

ALEXANDER GÄSSLER UND SASCHA KURZ

Ostalbkreis. Insgesamt knapp 2000 Betriebe in Deutschland produzieren pro Jahr 24 Millionen Kubikmeter Nadel- und 1,1 Millionen Laubschnittholz. Die rund 23 000 Beschäftigten in der Sägeindustrie erzielen einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro jährlich. Nicht eingerechnet ist die volkswirtschaftliche Wertschöpfung im gesamten Cluster Forst und Holz, in dem die Sägeindustrie ein wichtiges Glied darstellt. Im Cluster Forst und Holz sind in Deutschland rund 200 000 Personen beschäftigt. Sie erzielen einen Gesamtumsatz von 100 Milliarden Euro, wie Michael Thorwarth vom Forstdezernat des Ostalbkreises weiß.

Produkte der Sägewerke sind Bauschnittholz wie Balken, Kanthölzer, Bretter, Bohlen und Latten, Schnittholz für Verpackungszwecke sowie Schnittware für Möbel, Treppen und Parkett. Zudem liefern sie mit den Co-Produkten wie Sägespänen und Holzhackschnitzel die Rohstoffbasis für die Papier- und Zellstoffindustrie sowie die Holzwerkstoffindustrie. Mit der energetischen Verwertung etwa als Pellets wurde vor einigen Jahren ein weiteres Produkt erschlossen. Die deutsche Sägeindustrie hat in den vergangenen Jahren den Export nach Europa, in die USA und nach Fernost deutlich ausgeweitet. Die Exportquote liegt laut Thorwarth derzeit bei etwa 35 Prozent.

Zur deutschen Sägeindustrie zählen familiäre Kleinbetriebe und industriell organisierte Großsägewerke. Sie sind in Europa führend und im ländlichen Raum ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Zum Beispiel auf der Ostalb.

Zahlen aus der Region

Michael Thorwart hat anlässlich der KWF-Tagung, die noch bis zum 16. Juni in Bopfingen abgehalten wird, Zahlen und Fakten zur Sägeindustrie zusammengestellt. Regional werden etwa vier Millionen Festmeter Rundholz pro Jahr verarbeitet. Besondere Bedeutung haben Firmen wie Aurnhammer (Ellwangen), Ladenburger (Bopfingen), Klenk (Oberrot), Rettenmeier (Wilburgstetten) und die Holz verarbeitende JRS (Rosenberg) aber auch viele weitere Sägewerke, die oft als Familienunternehmen geführt werden. Die Sägewerke nehmen mehr als 90 Prozent des regional anfallenden Holzes zur Verarbeitung auf. Das deckt allerdings nicht einmal 15 Prozent ihres tatsächlichen Bedarfs. Das Holz kommt also von weit her, der sogenannte Beschaffungsraum ist etwa zehnmal größer als das Verbreitungsgebiet der 62 Sägewerke. Eine Zahl verdeutlicht die Dimension: Dem regionalen Bedarf von vier Millionen Festmeter steht ein Einschlag aus dem Landeswald von 2,7 Millionen Festmeter gegenüber.

Zahlen über den Beschäftigungsgrad in der Region sind laut Thorwarth kaum zu bekommen. Direkt in der Forstwirtschaft oder für die Forstwirtschaft tätig sind im Ostalbkreis etwa 320 Menschen, außerdem etwa 25 Auszubildende. Dazu kommen die Beschäftigten der Logistik, der Abnehmer, der Holzveredler – und natürlich der Sägewerke.

Regionale Potenziale

Hinter dem Namen „Holzkompetenz hoch drei“ verbergen sich die Landkreise Ostalb, Heidenheim und Schwäbisch Hall mit ihrer starken Forst- und Holzwirtschaft. Unter Federführung der regionalen Wirtschaftsförderung WiRO haben sie sich zusammengetan und mit einer aus EU-Mitteln geförderten Studie die regionalen Potenziale der Branche untersucht. Die Studie gibt Aufschluss darüber, wo die Stärken und Schwächen in der Holz-Region liegen und mit welchen Mitteln man dort die gute Position halten und ausbauen kann. Fast 30 Experteninterviews und zwei Workshops haben ihre Ersteller abgehalten.

Konkrete Handlungsansätze sieht man darin, die Potenziale der Holzmobilisierung im Kleinprivatwald besser zu nutzen und dort Anreizsysteme für Kleinprivatwaldbesitzer zu schaffen. Weitere Felder sind die Verbesserung der Rundholzlogistik, das Eruieren der Mobilisierung für Energie- und Waldrestholz oder die Produktdiversifikation in der Sägeindustrie. Gleichzeitig hat die Studie Handlungsempfehlungen und Umsetzungsmaßnahmen zu Tage gefördert: Ein erstes Projekt ist der regionale Holzbautag, der in die KWF-Tagung eingebettet wurde. Dessen Konzept wie auch alle anderen Maßnahmen sind in enger Abstimmung mit den Wirtschaftsförderern der Landkreise, den Vertretern der Forstbehörden und unter Einbindung der Firmen erarbeitet worden.

- Die Studie steht als Download bereit oder kann unter Tel. (07171) 92753-0 angefordert werden.


Info zur Waldregion Ostalb

Der Ostalbkreis
hat eine Waldfläche von 60 000 Hektar. Etwa 22 000 Hektar sind Landeswald, 17 000 Hektar Kleinprivatwald, rund 10 000 Hektar sind im Eigentum der Kommunen. Der Rest ist sogenannter Großprivatwald. Die Sägeindustrie verwertet den Rohstoff Rundholz für die unterschiedlichsten Haupterzeugnisse und ihre Co-Produkte – ohne Abfall, wie Michael Thorwart vom Forstdezernat betont. Das CO2 in den Produkten wird dem Kreislauf entzogen. Das heißt: Holzprodukte wirken CO2-senkend. Nach dem Ende der Verwendung kann das Holz neuen Zwecken zugeführt oder energetisch genutzt werden. gäss


Weitere Clusterinitiative

Die Clusterinitiative Forst und Holz
ist ein vom Ministerium für Ländlichen Raum initiiertes Netzwerk für alle Unternehmen, Institutionen und Initiativen, die in der Forst- und Holzbranche aktiv sind. Ziel ist, die Strukturen und Ansätze zu stärken sowie gezielt Innovationen und die Vernetzung zu fördern. Zu diesem Zweck wurde ein zentrales Clustermanagement eingerichtet und im Frühjahr 2010 ein Clustermanager eingesetzt. sk




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