Groß und stark - Aalener Start-up Mammut will durchstarten

Start-up Regional - Drei Studierende der Hochschule Aalen patentieren ein neues 3D-Druckverfahren. Aktuell finanzieren sie das neue Unternehmen aus Eigenmitteln - das Interesse von Investoren ist aber vorhanden.

Quelle: Wirtschaft Regional Juli 2018 - Autor: red - Foto: Andrea Heidel 

Denkt man an ein Mammut, fallen einem Attribute, wie massiv, gewaltig und stark ein. Diese Assoziationen sind von den Gründern von „Mammut 3D“ durchaus gewollt - denn ihr 3D-Druckkopf soll mal große und besonders bruchfeste Bauteile drucken. Katja Schlichting (26), Michael Heel (31) und Dennis Herrmann (25 ) haben sich während des Studiums an der Hochschule Aalen kennen gelernt. Derzeit entwickeln sie im Innovationszentrum Aalen einen zum Patent angemeldeten, modularen Druckkopf, der sich als schnelles und kostensenkendes Werkzeug in einen bestehenden Produktionsprozess einbinden lässt.

Was genau macht Ihr Start-Up „Mammut 3D“?

Katja Schlichting: Man muss sich das so vorstellen: Wenn man malt, würde man intuitiv für verschiedene Aufgaben unterschiedliche Stifte verwenden. Wenn man die präzisen, äußeren Linienmalt, nimmt man feinere Stifte. Will manaber das innere Volumen grob und schnell auffüllen,benutzt man einen dicken Stift. Dieses Verfahren haben wir auf den 3D-Druck übertragen und einen einmaligen Druckkopf mit einem besonderen Mechanismus entwickelt und deutschlandweit zum Patent angemeldet.

Wie funktioniert Ihr Produkt und wer hatte die Idee?

Schlichting: Unser Druckkopfkann zwischen feinen und groben Aufgaben wechseln und spart somit bei einem 3D-Druck bis zu 76 Prozent der Druckzeit ein. Durch die Ver-wendung von Granulat sinken die Materialkosten um bis zu 95 Prozent gegenüber von Filament. Die Idee hatte Michael und er hat dann zunächst gemeinsam mit einem Patentanwalt recherchiert, ob es auf dem Markt bereits eine derartige Technologie gibt und festgestellt, dass es diese noch nicht gibt.
Michael Heel: Ich hatte zuvor in einem anderen Start-up mitgearbeitet und mich dort intensiv mit dem Thema 3D-Druck beschäftigt. Dabei fiel mir auf, dass man das Verfahren beschleunigen und verbessern könnte.

Wie finanzieren Sie die Startphase?

Schlichting: Bisher komplett aus privaten Mitteln. Wir bewerben uns gerade für das EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Sehr hilfreich ist, dass wir die Räume des Innovationszentrums an der Hochschule Aalen nutzen dürfen und, dass die Hochschule Aalen uns darüber hinaus mit technischer Beratung, Maschinen und Infrastruktur unterstützt.
Michael Heel: Der Prototyp, an dem wir zurzeit arbeiten, wird allerdings circa 120 000 Euro kosten und die EXIST- Förderung nur etwa ein Viertel der Kosten abdecken. Deshalb bereiten wir jetzt schon die Seed-Förderung vor und sind im Gespräch mit potentiellen Investoren.

Wo geht die Reise von Mammut hin?

Dennis Herrmann: Wenn bei uns alles wie geplant läuft, werden wir schon im kommenden Jahr mehr Leute brauchen. Im Jahr 2020 soll die Markteinführung mit Pilotkunden starten. Wir sind aber für langsames Wachstum und flache Hierarchien. Die beizubehalten wird eine Herausforderung sein – dessen sind wir uns im Klaren.

War Gründen für Sie schon immer eine Option?

Heel: Für mich ursprünglich nicht. Ich wollte eigentlich studieren und danach einen gut bezahlten Job haben. Während des Master-Studiums dachte ich aber immer wieder darüber nach, es doch mit der Selbstständigkeit zu versuchen. Mit Aufkommen der Idee entschied ich mich doch für das Gründen. Zudem ist der Zeitpunkt ideal und letztendlich habe ich nichts zu verlieren. Die guten Strukturen an der Hochschule Aalen, wie beispielsweise der kostenlose Zugang zum Shared-Desk-Bereich im INNO-Z, oder auch die Angebote der Gründungsinitiative stAArt-UP!de, sind für Gründungswillige superhilfreich.
Schlichting: Ich habe schon in ganz jungen Jahren darüber nachgedacht, mich selbstständig zu machen. Während des Studiums habe ich immer wieder in einem großen Konzern gearbeitet und die Strukturen als sehr einschränkend empfunden. Das hat mich in meinem Vorhaben noch mehr bestärkt.
DH: Für mich war es schon immer klar, dass ich für niemanden sonst arbeiten will, außer für mich selbst. Ich habe dauernd tausend Ideen und ich sehe überall in meiner Umgebung Bedarf an neuen oder besseren Produkten.

Dennis Herrmann, Katja Schlichting und Michael Heel.