Ostwürttemberg – Region der Zukunftsbranche
für Erneuerbare Energien

Projekte zur Umsetzung der Energiewende

Die folgenden Projekte aus der Region Ostwürttemberg weisen für die Energiewende einen Vorbildcharakter auf und dienen gleichzeitig als Indikator für die Innovations- und Leistungsfähigkeit der regionalen Akteure in den verschiedenen Bereichen der Erneuerbaren Energien:

Bioenergiedorf Heubach-Buch

Das Bioenergiedorf Heubach-Buch ist das erste Bioenergiedorf im Ostalbkreis. Das Ziel des Projekts ist es, Gebäude und Wohnungen des Ortsteils Buch der Stadt Heubach möglichst vollständig mit regenerativ erzeugter Nahwärme zu versorgen und dadurch den Einsatz fossiler Energieträger (Öl, Gas) zu ersetzen.

Die Gründungsversammlung der Genossenschaft BioEnergie Buch fand am 20. September 2013 statt, im August 2014 war Spatenstich, im Dezember erfolgte die erste Wärmlieferung und seit März 2015 ist das gesamte Wärmenetz in Betrieb. 63 Gebäude in Heubach-Buch, das entspricht 67 Prozent der Häuser, sind bereits an das Nahwärmenetz angeschlossen. Bis zum Endausbau sollen es 70 Häuser sein. Die Gesamtkosten liegen bei 1,1 Millionen Euro netto. Auf 319.000 Euro belaufen sich die Eigenmittel der Genossenschaft. Auch Fördermittel konnten für die Finanzierung verwendet werden: 142.000 Euro gab es aus den Förderprogrammen „Bioenergiedorf“ und erneuerbare Energien KWKG (Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz).
Ein wichtiger Aspekt ist auch der Klima- und Umweltschutz, denn die Bucher sparen jede Menge Emissionen: Laut Umweltbundesamt können 125.000 Liter Heizöl eingespart werden. Dadurch werden pro Jahr etwa 440 Tonnen Kohlendioxid und weitere Schadstoffe wie Staub, Stickoxide, Chlorwasserstoff und Schwefeldioxid vermieden.

Die Bedeutung des Leuchtturmprojekts wird auch dadurch deutlich, dass Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, am 24. Juni 2015 persönlich das Nahwärmenetzes der Genossenschaft BioEnergie Buch eG in Betrieb nahm.

Projektbeschreibung


Bioenergiedorf Heubach-Buch
D-73540 Heubach
+49 7173 5292
www.bioenergie-buch.de


Bioenergiedorf Gussenstadt

8 Landwirte aus Gussenstadt und drei Nachbardörfern sowie der Gemeinde Gerstetten schlossen sich zu einer Genossenschaft zusammen, um einen Verwertungsweg für landwirtschaftliche Reststoffe (Mist und Gülle) aufzubauen. Für den Bau der Biogasanlage haben die Mitglieder der Genossenschaft 20% Eigenkapital mobilisiert. Dazu stießen weitere 80 neue Mitglieder zur Genossenschaft; es sind die Nahwärmeabnehmer, die in der Genossenschaft miteinander die Abteilung Nahwärme bilden. Im Jahr 2013 baute die Energiegenossenschaft Gussenstadt eG die Biogasanlage, 2014 den ersten Teil eines Nahwärmenetzes mit ca. 3,6 km Länge und 2015 ein weiterer Ausbau mit ca. 800 m. 2016 erfolgt nochmals ein kleiner Ausbau. Parallel zum Nahwärmenetz wurde noch ein Glasfaserleerrohrnetz verlegt das in 2016 mit Glasfaser, für schnelles Internet, bestückt werden soll.

Besonderes Projektziel ist die möglichst effektive Nutzung des Energiepotenzials der Substrate durch Praktizierung einer am saisonalen Wärmebedarf orientierten Betriebsweise. Im Sommer, wenn die Häuser nur Warmwasser benötigen, wird nur ein kleines BHKW (205 kWel) betrieben. In der Übergangszeit ein größeres (400 kWel) und im Winter beide BHKW. Um die flexible Fahrweise der Biogasanlage zu unterstützen wird der Spitzenlastkessel mit einem Zweistoffbrenner ausgerüstet (Öl/Biogas). Wenn im Winter Gasüberschüsse zu verzeichnen sind, dann wird auch die Heizspitzenlast nicht mit Öl, sondern Biogas gedeckt. Projektziele sind im Übrigen die Nutzung lokaler Bioenergieressourcen für eine langfristig kostengünstige und umweltfreundliche Wärmeversorgung von möglichst vielen Häusern in Gussenstadt unter Beachtung der Einhaltung einer guten Anschlussdichte an das Nahwärmenetz.. Seit Januar 2015 nimmt die Energiegenossenschaft Gussenstadt eG auch an der Direktvermarktung des Biogasstromes an der Leipziger Strombörse EEX teil. Die BHKWs sind für die positive und negative Sekundär und Minutenreserve präqualifiziert und fahren Fahrplanbetrieb.

Mit einem Gülle- und Mistanteil von 70% sowie einem Maisanteil von ca. 20% gilt die Biogasanlage dabei als ökologisch vorbildlich. Ein Großteil der Biogasanlagen in Baden-Württemberg wird hauptsächlich mit Mais betrieben, was enorme negative ökologische Auswirkungen mit sich bringt. Darüber hinaus postuliert auch die Verwertung der Abwärme den Vorbildcharakter der Biogasanlage „Gussenstadt“, die dementsprechend als Modellprojekt gilt. Für dieses vorbildliche Engagement im Bereich einer umweltfreundlichen und autarken Energieversorgung wurde Gussenstadt vom Land Baden-Württemberg als „Bioenergiedorf“ ausgezeichnet. 

Weitere Informationen


Bioenergiedorf Gussenstadt eG
D-89547 Gussenstadt
+49 7323 9688908
www.energiegenossenschaft-gussenstadt.de


Energieautarke Gemeinde Rainau SMART VILLAGE

„Die Energiewende selber machen“ - das hat sich die Gemeinde Rainau im Ostalbkreis vorgenommen. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt die Gemeinde derzeit zusammen mit der Hochschule Aalen (Lehrstuhl für Erneuerbare Energien) das Projekt „Smart Village Rainau“ um.

Es soll ein neues Energieversorgungssystem entwickelt und umgesetzt werden, welches die autarke Versorgung der Gemeinde Rainau mit Erneuerbaren Energien ermöglichen und übergelagerte Netze entlasten soll. Energieautarkie bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ausreichend Strom, Wärme und Treibstoff vor Ort erzeugt wird, um den kompletten Bedarf der Gemeinde zu decken und gleichzeitig die Energie dann bereitzustellen, wenn sie benötigt wird. 

Das Gesamtenergiesystem von Rainau sieht eine zweistufige Biogasanlage im Mittelpunkt des Projekts vor. In der Biogasanlage werden ausschließlich gemeindeeigene nachwachsende Rohstoffe zur Erzeugung von Biogas verwendet. Das erzeugte Biogas wird mit Hilfe einer „Vorverdauung“ durch Bakterien biologisch aufbereitet und anschließend im zweiten Schritt in Biomethan umgewandelt. In dem innovativen Konzept wird berücksichtigt, dass in der Anlage überwiegend lokal anfallende biogene Reststoffe wie Grüngut, Gülle, Mist, Bioabfälle etc. verarbeitet werden. Daraus können dann zusätzlich Synergieeffekte mit dem Natur- und Landschaftsschutz resultieren. Die zweistufige Anlage gilt als der zentrale Baustein des neuen Energieversorgungssystems, um das die anderen Bestandteile errichtet werden.  

Das Besondere an diesem Projekt ist der systematische Ansatz, der den Einsatz von Erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und neue Formen der Energiespeicherung zusammenführt. Um den Energiebedarf der Bürger von Rainau zu eruieren und um Akzeptanz und Partizipation in der Bevölkerung zu maximieren, wurden von Anfang an die rund 3.300 Bewohner von Rainau in das Projekt mit einbezogen. Dadurch soll in der Bevölkerung eine Bewusstseinsänderung für die notwendige Dezentralisierung der Energieversorgung entstehen, mit der man sich identifizieren kann. 

Forschungsschwerpunkte des Projekts sind die Modularisierung der zweistufigen Biogasanlage und die biologische Methanisierung von Biogas durch die Power-to-Gas-Technologie, die in das  Gesamtenergiekonzept mit eingebunden wird. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse und das erarbeitete Konzept sollen v.a. auch der Übertragbarkeit auf andere ländliche Kommunen dienen. Dementsprechend weist das Forschungsprojekt Modellcharakter auf, welches in Zukunft eine autarke Energieversorgung möglichst vieler Gemeinden sicherstellen soll. 

Insgesamt kann das Vorhaben als ein Leuchtturmprojekt bei der Erforschung und Umsetzung einer autarken Energieversorgung einer Stadt/Kommune angesehen werden und gilt dementsprechend als herausragendes Beispiel für die Innovationsfähigkeit der regionalen Akteure.

Weitere Informationen

Ansprechpartner


Energieautarke Gemeinde Rainau SMART VILLAGE
D-73492 Rainau
+49 7961 90020
www.rainau.de


Bürgerwindpark Ellwangen

Die Stadt Ellwangen erhält einen Bürgerwindpark und damit ein weiteres Vorzeigeprojekt bei den Erneuerbaren Energien. Die Stadtwerke Ellwangen investieren zusammen mit der Energiegenossenschaft Virngrund in den kommenden knapp 14 Monaten 16,2 Millionen Euro in drei Windräder. Geplant ist, dass die Anlagen im Juni 2016 in Betrieb gehen und mehr als 25% der Stromversorgung von Ellwangen abdecken sollen. Die Amortisierung der drei Windräder liegt bei ungefähr 10 Jahren. Geplanter Baubeginn ist im Herbst 2015. Der Die Mitglieder der Energiegenossenschaft Virngrund werden sich voraussichtlich mit 12% der Investitionssumme an dem Projekt beteiligen. Bei der baulichen Umsetzung des Projekts sollen dabei möglichst heimische Unternehmen aus der Region zum Zug kommen. Gelungen ist dies schon bei der Projektabwicklung und -durchführung: Als Generalunternehmer fungiert die Firma Schweizer-Honold aus Bopfingen.

Pressemitteilung zum Baubeginn

Pressemappe der Stadtwerke Ellwangen


Bürgerwindpark Ellwangen
D-73479 Ellwangen
+49 7961 84600


Solarpark Mutlanger Heide

Seit Januar 2013 wird auf der Mutlanger Heide Strom vom zweitgrößten Solarpark Baden-Württembergs produziert. Auf einer Fläche von 13,8 Hektar werden mit 23.628 Modulen, unter denen die aufkommende Vegetation mit Schafen beweidet wird, jährlich 7 Mio. Kilowattstunden Strom erzeugt. Das entspricht der Verbrauchsmenge von knapp 2.000 Vier-Personen-Haushalten bei gleichzeitiger Einsparung von 5030 Tonnen Kohlendioxid, die bei einer Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen anfallen würden. Mit Hilfe von 159 dezentralen Wechselrichtern wird die erzeugte Gleichspannung in eine netzkonforme Wechselspannung umgewandelt. Für den Betrieb des Solarparks sind zudem sieben Trafostationen notwendig. Die Baugenehmigung wurde am 24.09.2012 erteilt und schon am 04.10.2012 war Baubeginn. Für die Planung und Realisierung des Solarparks wurden knapp neun Millionen Euro investiert.

Weitere Informationen


Solarpark Mutlanger Heide GmbH & Co. KG
D-73525 Schwäbisch Gmünd
+49 7171 6038501
www.stwgd.de


Solarpark Lutstrut

Auf einer Konversionsfläche einer früheren Sandabbaustelle in Lutstrut bei Abtsgmünd wurde eine der größten Solarparks der Region umgesetzt. Mit einer Leistung von 4,2 Megawatt und einem erwarteten Stromertrag von 4,5 Millionen Kilowattstunden können im Jahr mehr als 1.200 Haushalte mit CO2-freiem Strom versorgt werden.

Das bemerkenswerte am Solarpark Lutstrut ist, dass ein Viertel der Investitionssumme von 4,6 Millionen Euro von Bürgern der Region beigesteuert wurde. Der Solarpark gilt deshalb als Vorzeigeprojekt hinsichtlich der Bürgerbeteiligung bei Großprojekten, durch die Akzeptanzprobleme verringert und aus Betroffenen Beteiligte oder sogar Begeisterte werden können sowie Wertschöpfung in der Region gehalten werden kann.

Pressemeldung des Umweltministeriums Baden-Württemberg


Solarpark Lutstrut
D-73453 Abtsgmünd