„Für die Zukunft brauchen wir Mut"

Geschäftsführerin Nadine Kaiser über 25 Jahre WiRO, die Zukunftsoffensive, die Herausforderungen und die Ziele für die kommenden Jahre.

Quelle: GT - Autor: Robert Schwarz - Bild: Ingrid Hertfelder

Schwäbisch Gmünd. Die WiRO wird 25 Jahre. Im Interview skizziert Geschäftsführerin Nadine Kaiser, wie sich die Arbeit der Wirtschaftsförderung im Lauf der Jahre verändert hat, warum die Herausforderungen trotz aktuell intaktem Arbeitsmarkt für die Region beträchtlich sind und weshalb Innovation der Schlüssel für die Zukunft von Ostwürttemberg ist. 

"Wandel gelingt nur, wenn man sich auf ihn einlässt.“ - Nadine Kaiser, Geschäftsführerin WiRO

 

Die WiRO wird 25. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Nadine Kaiser: Wir wollen angesichts der 25 Jahre nicht nur zurückblicken, sondern auch voraus. Die Herausforderungen, vor denen die Region steht, sind beträchtlich, auch wenn die Wirtschaft in Ostwürttemberg ungleich bessere Voraussetzungen hat als noch vor 25 Jahren, als die WiRO gegründet wurde. Damals lag die Arbeitslosigkeit um ein Vielfaches höher, vor allem die Jugendarbeitslosigkeit war ein großes Problem, die Wirtschaft befand sich in einer tiefen Strukturkrise. Damals war es an der WiRO unter Dr. Ursula Bilger, Netzwerke. aufzubauen und zu organisieren sowie die Strukturen zu schaffen, damit die Region besser sichtbar ist - auch über Ostwürttemberg hinaus. Und auf der über die ersten Jahrzehnte erarbeiteten, hervorragenden Basis, tut die WiRO das bis heute recht erfolgreich.

Die Arbeitslosenquote in der Region liegt aktuell bei 3,5 Prozent, das ist weniger als im Landesschnitt...

Es stimmt, dass die Region die Auswirkungen der Corona-Pandemie bis jetzt gut gemeistert hat. Aber es gibt Anzeichen, dass das nicht von Dauer sein wird. Der Strukturwandel in der Autoindustrie sowie der Transformationsprozess der Industrie sind nur zwei Entwicklungen, auf die wir reagieren müssen. Das Positive: Viele Unternehmen haben sich bereits auf den Weg gemacht und gehen diesen Wandel forsch und mutig an. Unsere Aufgabe ist es, die Firmen dabei zu unterstützen und ebenfalls den Weg für weitere vorzubereiten.

Welche Bedeutung haben regionale Netzwerke, wie das der WIRO, in einer sich globalisierenden und fragmentierenden Wirtschaft?

Ich denke, regionale Netzwerke haben nach wie vor eine große Bedeutung. Die Unternehmen arbeiten Tür an Tür und stehen vor ähnlichen. Herausforderungen wie dem Fachkräftemangel oder dem Ausbau der Infrastruktur. Unsere Aufgabe ist es, die Strukturen und Netzwerke zu schaffen, damit die Unternehmen und damit der Standort vital, lebendig und innovativ bleiben. Und: Wenn die Welt globaler wird, ist es wichtig, ein regionales Wir-Gefühl zu pflegen. Und nicht zu vergessen, vertreten wir als WiRO natürlich die Interessen der Region nach außen, etwa in Stuttgart, Berlin oder Brüssel, und bewegen uns in überregionalen und internationalen Netzwerken.

Die Autoindustrie ist in der Region ein wichtiger Arbeitgeber. Wie lässt sich der Strukturwandel in der Region bewältigen? Welche Ansatzpunkte gibt es?

Wir müssen uns auf das konzentrieren, was uns stark und erfolgreich gemacht hat: auf die Talente und Patente. Die Region ist mit ihren Innovatoren, Tüftlern und Ideen hervorragend aufgestellt. Innovation ist der Schlüssel, um den Herausforderungen zu begegnen. Aber der Wandel gelingt nur, wenn man sich auf ihn einlässt, in den Bemühungen nicht nachlässt und es schafft, kreative Köpfe und Tüftler für diesen zu begeistern. Für die Zukunft benötigen wir jede Menge Mut - und Disruption. Wir dürfen künftig nicht mehr starr in Branchen denken, die Übergänge werden fließend. Ebenfalls wichtig: Die Unternehmen müssen nicht nur ihre Produkte, sondern ihre kompletten
Geschäftsmodelle hinterfragen und sich weiterentwickeln wollen. Nur mit diesem Spirit, dieser Bereitschaft bestehen wir auch in Zükunft.

Ein Element im Kampf um Fachkräfte ist das Welcome Center, welches 2020 gestartet ist. Wie fällt ihre erste Bilanz aus und was sind die Ziele?

Es gibt Branchen, gerade im Pflege- und im Bausektor oder imIT Bereich aller Branchen, die ihren enormen Fachkräftebedarf in Zukunft ohne Zuwanderung aus dem Ausland nicht mehr decken können. Aber nicht nur deshalb ist das Welcome Center wichtig: Es ist Anlaufstelle für Fachkräfte wie Firmen gleichermaßen. Nach etwas mehr als einem Jahr fällt die Bilanz sehr positiv aus.

Die Zukunftsoffensive ist gestartet, welche Funktion hat die WiRO?

Mit der Initiative will die Region jetzt die strategischen Leitplanken für die Zukunft definieren. Alle wesentlichen Akteure in der Region haben sich zu dem. Prozess bekannt. Die IHK und die WiRO werden im Duett diesen Prozess strukturieren und organisieren. Jeder Partner soll zudem seine spezifische Expertise in diese Prozesse einbringen.

Wie sehen Sie die Rolle der WIRO in den kommenden 25 Jahren? 

Die WiRO wird sich wie in den vergangenen Jahren in Zukunft weiterentwickeln und sich den Anforderungen der Firmen, Netzwerke und der Politik anpassen. Ich sehe aber gleichzeitig ein Wachstum der WiRO: Die Zahl der Projekte nimmt zu, gerade um Digitalisierung und Strukturwandel voranzutreiben, braucht es Netzwerke. Gleiches gilt für den Fachkräftemangel, der uns noch Jahrzehnte begleiten wird und nur durch ein wirkungsvolles Standortmarketing bekämpft werden kann. Und nicht zuletzt benötigt eine Region eine starke Interessenvertretung auf überregionaler, nationaler und europäischer Ebene.