Mehr Mut zu innovativen Lösungsansätzen

Das Kreativforum Ostwürttemberg demonstriert Chancen des nachhaltigen Produktdesigns

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Region Ostwürttemberg. „Gute Nachrichten für die Kultur- und Kreativwirtschaft: für Sie und Euch gibt es viel zu tun!“, so Tina Kammer, Architektin und Mitgründerin von Interior.Park Stuttgart. Im Rahmen des Auftaktes zum diesjährigen digitalen Kreativforum Ostwürttemberg am 25. März setzte sie zusammen mit Wolfgang Grupp jun. von der Textilfirma TRIGEMA Impulse, wie Nachhaltigkeit im Produktdesign praktisch umgesetzt werden kann und welche Chancen dies für Unternehmen birgt.

„Wir müssen lernen, vom Ende her zu denken“, erklärt Kammer. Denn für die Entwicklung kreislauffähiger Lösungen spiele neben der Energieeffizienz die Materialauswahl zu Beginn der Produktgestaltung eine ebenso wichtige Rolle. Genau das ist die Mission des Unternehmens Interior.Park, das sich mit der nachhaltigen und gesunden Innenraumgestaltung beschäftigt und hierbei als beratende Schnittstelle zwischen Planern und Herstellern agiert. Produktdesgin und Innenraumgestaltung spielen eng zusammen, weshalb auch die Architektur stets mitgedacht werden müsse. Nachhaltiges Produktdesign erfordere darum die Verzahnung verschiedener Fachbereiche und branchenübergreifendes Denken. Insbesondere in der Baubranche müsse das Lebenszyklusende noch verstärkter mitgedacht werden, wenn es um die Materialauswahl ginge. Durch intelligente Auswahl und Montage könnte Bauschutt als vermeintliches Abfallprodukt als Ressource für andere Branchen rückgewonnen werden. „Haben Sie Mut für neue Lösungsansätze“, ermuntert Kammer.

Durch die nachhaltige Ausrichtung unseres Wirtschaftens werden sich auch neue Berufszweige entwickeln. Insbesondere für die Kultur- und Kreativbranche stelle dies eine große Chance dar. Beispielhaft nennt Kammer auf die Bionik spezialisierte Fachkräfte, die Unternehmen zukünftig bei der nachhaltigen Produktgestaltung beraten könnten. Dementsprechend sei auch neues Wissen an den Hochschulen und Universitäten gefordert.

Der zweite Impuls von Wolfgang Grupp jun. befasste sich mit nachhaltigen Produktlösungen in der Textilindustrie. Das schwäbische Familienunternehmen TRIGEMA Inh. W. Grupp e.K. steht für „100 Prozent Made in Germany“ und erfüllt damit bereits durch die gesetzlichen Vorgaben viele wesentliche Umweltstandards. Seit 2004 arbeitet es an der Integration des Cradle to Cradle-Prinzips (siehe unten) in die Produktionsprozesse und brachte 2006 als erster deutscher Textilhersteller ein vollkompostierbares T-Shirt auf den Markt. Von der Auswahl der Produktzutaten über die Lieferketten bis hin zum Produktionsprozess – sämtliche Schritte entlang der Wertschöpfungskette sind an den Kriterien der Nachhaltigkeit ausgerichtet.

Dass dem Thema auch in der breiten Gesellschaft eine zunehmend größere Bedeutung zukommt, zeigt die wachsende Nachfrage nach ökozertifizierten Produkten, die auch TRIGEMA insbesondere bei der jüngeren Kundengruppe feststellt. Ebenso stark wächst auch die Akzeptanz und Identifikation seitens der Mitarbeitenden, ergänzt Kammer. „Unternehmen werden zukünftig mit ihrem Engagement im Bereich Nachhaltigkeit bei der Fachkräfteakquise werben müssen.“

„Cradle to Cradle“ Konzept nach Michael Braungart:

Dem Cradle to Cradle Konzept liegt die Vision einer Industriegesellschaft zugrunde, die ihre Produktionsverfahren ähnlich den Kreisläufen der Natur gestaltet. Die Prozesse in der Natur kennen keinen Abfall. Analog können auch nachhaltige Produktkreisläufe gestaltet werden. Produkte, die für einen längerfristigen Gebrauch hergestellt werden, wie Automobile, Haushaltsgeräte, Teppiche, Büromöbel oder synthetische Fasern, bezeichnet das Cradle to Cradle Konzept als Gebrauchsgüter. Ihre Komponenten können qualitativ hochwertige, auf Beständigkeit ausgelegte Materialien wie Kunststoffe oder Metalle sein, die durch einen technischen Nährstoff-Kreislauf dauerhaft nutzbar gemacht werden sollen. Für die Produktgestaltung bedeutet dies, die eingesetzten Rohstoffe nach Gebrauch sortenrein und damit ohne Qualitätsverlust zurückzugewinnen, so dass aus ihnen wieder neue, gleichwertige Produkte entstehen können und ein echter, endloser Materialkreislauf entsteht, der keine Abfälle zurücklässt.

Produkte, die aus abbaubaren Stoffen bestehen oder über eine begrenzte Lebensdauer verfügen, bezeichnet das Cradle to Cradle Konzept als Verbrauchsgüter. Beispiele hierfür sind Textilien aus natürlichen Fasern, kosmetische Produkte, Nahrungsmittel, Reinigungs- und Waschmittel, Windeln oder Verpackungsmaterialien für den Einweggebrauch. Diese Verbrauchsgüter werden nach Cradle to Cradle so gestaltet, dass sie als biologischer Nährstoff in den biologischen Kreislauf eingespeist werden können. Hierfür müssen alle Produktkomponenten so ausgewählt werden, dass sie ökologisch sinnvoll und verwertbar sind und damit frei von toxischen Substanzen.

Um Ge- und Verbrauchsgüter nach diesem Prinzip zu gestalten, braucht es eine ganzheitliche Unternehmensstrategie. Im Gegensatz zu derzeitigen Verfahren, die sich bemühen aus Abfällen alles noch Verwertbare herauszufiltern, fordert Cradle to Cradle deshalb bereits in der Produktentwicklung die Kreislauffähigkeit. So gestaltete Produkte können die Rohstoff- und Abfallprobleme zugleich lösen und setzen Mensch und Umwelt keinerlei Risiken durch potenziell schädliche Substanzen aus.

Kreativforum Ostwürttemberg 2021:

Das erstmals digital veranstaltete Kreativforum Ostwürttemberg steht dieses Jahr unter dem Titel „Nachhaltigkeit im Produktdesign – Impulse für kreative Lösungen“. In der dreiteiligen Veranstaltungsreihe erfahren die Teilnehmenden, wie Unternehmen kreative Lösungen entwickeln, von der Produktgestaltung bis zum Eventmanagement. Die Teilnahme an den Videokonferenzen mit MS Teams ist kostenfrei und wird von der regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH Region Ostwürttemberg (WiRO) in Kooperation mit der Kontaktstelle Frau und Beruf Ostwürttemberg – Ostalbkreis, der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd und der Wirtschaftsförderung der Stadt Aalen angeboten und von der Medien- und Filmgesellschaft MFG Baden-Württemberg unterstützt. Das Kreativforum richtet sich an alle Akteure der Kultur- und Kreativbranche, regionale Unternehmen aus Industrie und Handwerk, Studierende, Start-Ups sowie interessierte BürgerInnen.

Nächste Termine: 17.06.21, 17 Uhr und 19.10.21, 17.30 Uhr

Programm und kostenfreie Anmeldung: www.ostwuerttemberg.de/veranstaltung