Die Sieger des Innovationspreises

Drei Start-ups, ein Student und ein Mittelständler erhalten die begehrte Prämierung in Heidenheim. Ein Preisträger sieht sich gar als „Albtraum der BASF“.

Quelle: GT - Autor: Robert Schwarz - Bild: rs

Heidenheim. An diesem Abend in der Voith-Arena steht der Innovationsgeist der Region im Mittelpunkt. „Innovationen zu feiern ist wichtig. Innovation muss Spaß machen. Innovation muss Lust auf mehr machen“, sagt Prof. Dr. Gerhard Schneider, Rektor der Hochschule Aalen und einer der Laudatoren des Innovationspreises,den WiRO, IHK und die beiden Kreissparkassen der Region seit 2002 jedes Jahr vergeben. „Das ist das Rezept - auch in Silicon Valley.“ Neben zahlreichen Prämierungen stehen in der Voith-Arena die fünf Preisträger im Mittelpunkt. Sie eint: Sie haben Neues gewagt und dabei so manches Hindernis überwinden.

„Patente sind der Puls des technologischen Fortschritts.“ - Markus Frei, Vorstandschef KSK Ostalb

Der Albtraum der BASF. Torsten Becker kämpft seit Jahren um seinen Traum. Mit den Carbonauten aus Giengen. Das Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, mit der Biokohlenstoffe produziert werden, die nicht nur aktiv CO2-Emissionen senken. Aus holzigen Resten von Biomassen werden sogenannte NET-Materials. Die bestehen aus Biokohlenstoffen, die pro Tonne bis zu 3,3 Tonnen CO2 speichern und kombiniert mit anderen Stoffen nicht nur in der Industrie zum Einsatz kommen. Becker hat an diesem Abend eine neu entwickelte Komponente für den Gartengerätehersteller Gardena dabei. Die besteht zum Teil aus Carbonauten-Material, ist widerstandsfähiger und günstiger als Kunststoff, dessen Preis zuletzt stark gestiegen ist. Auch den Prototypen eines neu entwickelten. Stoffs für einen Autohersteller hat im Gepäck: Der ist 20 Prozent leichter als herkömmlich. Und da das Material auch als Dünger, völlig bio natürlich, eingesetzt werden kann, nennt Becker sein Unternehmen salopp „den Albtraum der BASF“.

Der sprechende Blindenstock. Thomas Bayer aus Aalen war noch Schüler, als er auf die Idee kam: Eine seiner Mitschülerinnen ist blind, er will helfen, mit einem sprechenden Blindenstock, der die Umgebung analysiert. „Ein Musterbeispiel und eine Erfolgsgeschichte, die Ostwürttemberg auszeichnet“, findet Laudator und Ostalb-Landrat Dr. Joachim Bläse. Der 21-Jährige treibt derzeit seine Idee im Gemeinschaftsbüro im Aalener Innovationszentrum voran und studiert an der Hochschule. 

Die Digitalisierer. Das Internet of Things in die Betriebe bringen, das ist der Auftrag von Syfit. Das Unternehmen sieht sich als Dienstleister der Digitalisierung. Tracken, prüfen und identifizieren von Objekten stehen im Mittelpunkt. Gründer Zoltan Demeter beschäftigt 15 Mitarbeiter und hat mit RUD und der Deutschen Telekom zwei prominente Partner an Bord. „Das ist essenziell für uns. Ohne die entsprechende Liquidität bringt man es nicht weit“, sagt Demeter.

Großes im Sinne. Sie stellen große Bauteile im 3D-Drucker, zuletzt ein 200 Kilogramm schweres Bauteil. Dafür braucht der 3D-Drucker von Q.Big3D rund 15 Tage. Dennoch haben die drei Gründer Dennis Herrmann, Katja Schlichting und Michael Heel eine Marktlücke entdeckt. „Zu diesem Erfolg gehört Fleiß, Ausdauer und die richtige Finanzierung“, wie Prof. Schneider bei der Preisübergabe sagt. „Es ist bemerkenswert, welcher Unternehmenswert hier in kurzer Zeit aufgebaut wurde.“

Der alte Hase. Den Oberkochener Werkzeughersteller Leitz gibt es seit mehr als 140 Jahren. Doch um an der Spitze seiner Branche, Werkzeuge für dieHolzbearbeitung, zu bleiben, braucht es stete Innovation. Mit dem Profilwerkzeug Flextrim 3 sind schnellere Werkzeugwechsel bei der Bearbeitung von Möbeln möglich: Per Knopfdruck wird das Werkzeug mit verschiedenen Profilen ausgestattet. Firmen müssen deshalb nicht mehr die Maschine komplett stoppen, statt 30 Minuten dauert der Wechsel 30 Sekunden. Leitz wurde in der Kategorie Patente ausgezeichnet. Markus Frei, Vorstandschef der KSK Ostalb, erläutert bei der Verleihung: „Patente sind der Puls des technologischen Fortschritts.“ Leitz sei als klassischer Mittelständler mit mehr als 500 Mitarbeitenden in der Region ein Teil des Rückgrats der regionalen Wirtschaft.

Vor der Preisverleihung hatte Britta Fünfstück, Vorstandschefin der Hartmann AG aus Heidenheim, die Bedeutung von Innovationen unterstrichen. Hartmann habe man einen Stoff entwickelt, der in Wundauflagen dafür sorge, dass Wunden nicht nur gereinigt werden, sondern dabei helfe, das Gewerbe wiederaufzubauen. „Dies ist für die richtigen Patienten das richtige Produkt“, so Fünfstück. Bei anderen Innovationen scheitere es hingegen an der Finanzierung, der nötigen Kommerzialisierung. So führte Fünfstück ein völlig neues molekularen Bildgebungsverfahren an, das MRT und CT sinnvoll ergänze und mit dem etwa Demenz schon in frühen Stadien erkennen könnte. Alleine: Für Demenz gibt es keine Therapie, deshalb würde der teure Einsatz der neuen Technik von keiner Krankenkasse bezahlt. Eine Innovation der Imagination schufen Forscher wiederum mit dem digitalen Zwilling des menschlichen Herzens. Dort wird aus den vorliegenden Daten ein zweites, nur digitales Herz erzeugt und verschiedene Therapiemöglichkeiten am Computer simuliert. 

Für Start-ups gibt es nicht nur den Innovationspreis, sondern auch den SchwäPo- und Tagespost-Elevator Pitch, während dem sich junge Firmen und Gründer vorstellen. Wer einmal mit seinem Start-up pitchen möchten, wendet sich an Lreckermann@sdz-medien.de.