Wie sieht die Zukunft des Autos aus?

Automotive-Forum - Die Autobranche steckt mitten in einem revolutionären Umbruch. Wie Firmen aus der Region mit diesem Wandel umgehen, klärte das Automotive-Forum von Wirtschaft Regional.

Quelle: Schwäbische Post - Autor: Robert Schwarz

Schwäbisch Gmünd. Gerade in der Region Ostwürttemberg, wo tausende Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Automobilindustrie abhängen, ist die Zukunft der Branche angesichts der massiven technologischen Umwälzungen ein Brennpunktthema. Hinzu kommen politische Rahmenbedingungen: Das Bundesverwaltungsgericht entschied am Dienstag, dass Kommunen grundsätzlich Fahrverbote für ältere Dieselautos verhängen können. Wohin steuert also die Branche, die ein Jahrhundert lang auf den Verbrennungsmotor gesetzt hat? Antworten gab es in der Gmünder Wissenswerkstatt Eule, wohin mehr als 150 Besucher zur fünften Auflage des von Wirtschaft Regional, Technischer Akademie, der Stadt Gmünd und der WiRO initiierten „Automotive-Forums“ kamen.

    Jeder Umbruch erzeugt neue Chancen.
    Thomas Vetter,
    Gründer von Aradex AG

„Die Komplexität des Wandels wird immer dynamischer“, erklärte Dr. Wolfgang Fischer. Parallel nehme der Verkehr zu, die Digitalisierung gewinne immer weiter an Schwung, so der Leiter der Projekt- und Clusteraktivitäten der e-mobil BW GmbH, der Landesagentur für neue Mobilitätslösungen und Automotive. „Klar ist: Die Elektromobilität ist mehr als der Austausch eines Antriebsstrang, sondern Teil eines tief greifenden Veränderungsprozess.“ Und das in einer Branche, die den Standort Baden-Württemberg „sehr wohlhabend“ gemacht habe.

Bosch-Experte Alexander Gaedke erklärte, wie Bosch Automotive Steering diesen Veränderungsprozess an- und innovativen Trends nachgeht. Man profitiere dabei von der Zugehörigkeit zu einem Konzern, der alle Zulieferbereiche und Systeme in sich vereint. Das komme auch den Autobauern entgegen, die angesichts der Komplexität auf bewährte Partner zurückgreifen. „Für Bosch geht es darum, die notwendigen Kompetenzen auf- und auszubauen“, so Gaedke. Ab 2020 will der Konzern nur noch Produkte herstellen, die netzwerkfähig sind. Für das Jahr 2021 prognostiziert der Experte erste Autos, die vollautomatisch auf der Autobahn fahren. „Das birgt riesige Energieeinsparpotenziale.“ Auch die Zukunft des Lenkrads steht aktuell auf dem Spiel: „Wir forschen intensiv an innovativen Bedienkonzepten.“

Klar ist: Die Branche steckt mitten im größten Umbruch ihrer Geschichte. Das unterstrich auch Thomas Vetter, Gründer der Aradex AG in Lorch. Er plädierte vor allem dafür, den technologischen Wandel nicht nur als Risiko für den Mittelstand zu begreifen. „Jeder Umbruch erzeugt neue Chancen.“

Dr. Walter Schwelberger, geschäftsführender Gesellschafter der PTS-Prüftechnik GmbH in Waldstetten, ging auf die gesteckten Emissionsziele der Regierungen in aller Welt ein. Würden die für Europa im Jahr 2025 gesetzten Ziele schon jetzt gelten, müssten Autobauer in aller Welt Milliardenstrafen an die EU zahlen, alleine Volkswagen käme auf fast acht Milliarden Euro. Deshalb forciere die Autoindustrie den Wandel zum E-Auto intensiver als je zuvor. Denn: „Die neuen Grenzwerte sind ohne die Elektromobilität nicht zu schaffen“, unterstrich Schwelberger, der wie seine Mitreferenten betonte, dass der Strom für die E-Autos aus regenerativen Energien kommen müsse. Nur dann mache das Ende des Verbrennungsmotors auch Sinn.

Dass nicht nur Privat-Pkw elektromobil werden, daran arbeitet Voith. Jürgen Berger erläuterte, dass sein Unternehmen einen Elektroantrieb für Busse gebaut hat. Gerade im öffentlichen Nahverkehr sei der Wechsel zur E-Mobilität schnell zu realisieren. Prof. Dr. Gerhard Schneider, Rektor der Hochschule Aalen mahnte in seinem Vortrag, man müsse zudem die anderen alternativen Technologien wie Biogas und Brennstoffzelle im Auge behalten. Seine Hochschule werde zudem bei der Ausbildung der Studenten auf die neuen Anforderungen der Industrie reagieren.

Bei der abschließenden, von Schneider und Winfried Hofele moderierten Diskussion saß neben den Referenten auch ein Überraschungsgast auf dem Podium: Norbert Haug, ehemaliger Formel-1-Chef von Mercedes und aktuell Aufsichtsrat von Aradex, war zum Automotive-Forum nach Gmünd gekommen. Haug kritisierte nicht nur die aktuelle politische Diskussion, sondern sorgte auch für das Bonmot des Tages. Auf die Frage Schneiders, ob er sich autonomes Fahren in naher Zukunft vorstellen könne, antwortete Haug: „Wenn ich dann so häufig im Straßengraben lande, wie ich aktuell aus dem Handynetz fliege, fahre ich lieber selbst.“