Eine Krise ist auch eine Zeit der Möglichkeiten

WiRO - Jetzt ist die Zeit für Innovationen und Investitionen in allen Bereichen, von der Forschung und Entwicklung bis zur Qualifizierung der Mitarbeiter – davon ist man bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH Region Ostwürttemberg überzeugt.

Quelle: Gmünder Tagespost - Autor: wom - Bild: Hostrup-Fotografie

Schwäbisch Gmünd. Für die Landkreise Heidenheim und den Ostalbkreis arbeitet WiRO, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH Region Ostwürttemberg an der Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen, Investoren und sonstige Interessenten. Sie bündelt die regionalen Wirtschaftsförderungsaktivitäten und ist bei Wirtschaftsförderungs- und Standortmarketing-Fragen Ansprechpartner und Koordinator für überregionale Einrichtungen. Nadine Kaiser, Geschäftsführerin der WiRO gibt im Interview eine Einschätzung der aktuellen Situation der Wirtschaft in Ostwürttemberg.

Wie sehen Sie den aktuellen Stand der Wirtschaft im Ostalbkreis? Wie hat sich die Wirtschaft im Lockdown geschlagen?

Die Lage ist ernst. Die regionale Wirtschaft in Ostwürttemberg und im Ostalbkreis war vor der Corona-Pandemie bereits mit den Herausforderungen des Strukturwandels konfrontiert. Die Transformation in der Automobilbranche und das damit verbundene mögliche Ende des Verbrennungsmotors oder die digitale Transformation sind Themen, die unsere vom produzierenden Gewerbe geprägten Standort stark betreffen.

Der Lockdown hat dazu geführt, dass in den vergangenen Monaten knapp 4.500 Betriebe eine Anzeige zur Kurzarbeit gemeldet haben, damit sind voraussichtlich mehr als 70.000 von rund 180.000 Beschäftigten betroffen. Im Bundesdurchschnitt sind 22 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Branchen tätig, auf die die Corona-Pandemie hohe negative Auswirkungen hat. Diese Zahl liegt in Baden-Württemberg bei rund 30 Prozent, im Ostalbkreis bei fast 40 Prozent, im Landkreis Heidenheim bei rund 35 Prozent. Diese Zahlen zeigen die starke Betroffenheit unserer von Produktion und Export geprägten Region. Aber es gibt auch Erfolgsgeschichten und einzelne Unternehmens-Leuchttürme, die sich über Wachstum und steigende Nachfrage freuen oder die Krise genutzt haben, um ihr Leistungsportfolio anzupassen.

Welche Entwicklung im Ostalbkreis erwarten Sie in den kommenden Monaten?

Die Auswirkungen der Pandemie und der allgemein schwächeren Weltkonjunktur werden wohl noch lange zu spüren sein. Es gilt nun, die Unternehmen mit entsprechenden Programmen und Anreizen zu unterstützen, damit Investitionen und Innovationen nicht stehen bleiben und im Idealfall noch weiter verstärkt werden. Auch im Bereich der Mitarbeiterqualifizierung und -weiterbildung liegt ein großes Zukunftspotenzial. Die Region hat auch in der Vergangenheit schon manch schwierige Zeit überwunden. Wir sind guter Dinge, dass es auch dieses Mal gelingen wird.

Wird sich jetzt die Arbeit der WiRO ändern, beziehungsweise sind für die kommenden Monate zusätzliche Projekte der WiRO geplant?

Wir als regionale Wirtschaftsförderung stehen gemeinsam mit den Partnern eng an der Seite der regionalen Unternehmen und unterstützen, wo wir können. Damit wir bei der Pflege unserer engen Netzwerke einen Austausch aufrechterhalten, setzen wir aktuell verstärkt auf digitale Formate, auch wenn der persönliche Austausch faceto-face nicht zu ersetzen ist. Perspektivisch möchten wir so schnell wie möglich wieder zu Präsenzveranstaltungen einladen und unseren Standort auf regionalen und überregionalen Messen vermarkten.

Dennoch prüfen wir, ob das ein oder andere digitale Format auch in der Zukunft Bestand hat – denn es gibt auch Vorteile, zum Beispiel geringeres Reiseaufkommen oder Zeit- und Kostenersparnis. Beispielsweise hat die Kreissparkasse Ostalb anstatt der üblicherweise zur Preisverleihung des Innovationspreises Ostwürttemberg geplanten Abendveranstaltung in diesem Jahr einen Film über die Preisträger drehen lassen. Dazu haben wir viel positives Feedback erhalten, da dieser Film einen bleibenden Wert hat und das Material auch für andere Zwecke im Bereich Standortmarketing verwendet werden kann.

Was ist jetzt nötig, um die Krise zu überwinden? Wo werden die Schwerpunkte gesetzt?

Die Corona-Krise hat viele Unternehmen in ganz Deutschland vor existenzielle Fragen gestellt. Absatzmärkte sind eingebrochen und Geschäftsmodelle wurden auf den Kopf gestellt. Doch die Zeit der Krise ist auch eine Zeit der Möglichkeiten: Für neue Ideen, bessere Lösungen oder kreative Innovationen. Für einen gemeinsamen Weg aus der Krise benötigt es einen engen Schulterschluss aller Akteure. Die Unternehmerinnen und Unternehmer sind gut beraten, sich und ihre Leistungen, sofern möglich, zu diversifizieren und Lieferketten neu zu strukturieren oder zu sichern.

Darüber hinaus sollten wir jetzt umso mehr auf die Zukunftsfelder setzen und im Bereich der Innovationen und Investitionen in allen Bereichen – von der Forschung und Entwicklung bis zur Qualifizierung der Mitarbeiter – nicht nachlassen und eher noch zulegen. Wir sind nachweislich der Raum der Talente und Patente und das soll auch so bleiben.