Kommt die Wirtschaft im Ostalbkreis mit zwei blauen Augen davon?

Über Kredite, Soforthilfe und Ansiedlungspläne wurde anhand des Berichts der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreistag gesprochen

Quelle: Aalener Nachrichten - Autor: Viktor Turad - Bild: Robert Michael/ DPA 

Aalen. Während vor allem im Raum Schwäbisch Gmünd zahlreiche Arbeitsplätze auf der Kippe stehen und die Firma Eberspächer ihren Standort auf dem Gügling schließen will, „brummt" die Wirtschaft in Teilen des östlichen Kreises richtig. Hier liegt eine Anfrage zur Ansiedlung von „mehreren hundert Arbeitsplätzen" vor. Dies hat Landrat Klaus Pavel im Kreistag mitgeteilt, als sich das Gremium mit dem Bericht der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WiRO) befasste.

Einen Hoffnungsschimmer für die Region sieht der Landrat in China: Dort wachse die Wirtschaft und ein Plus von einem Prozent wirke sich auch in Ostwürttemberg positiv aus. Bei allen aktuellen wirtschaftlichen Problemen dürfe man nicht vergessen, fuhr Pavel fort: „Wir hatten schon deutlich schwierigere Zeiten in Ostwürttemberg." Daher müsse man sich daran erinnern, dass die Region selbst innovativ und kreativ sein müsse. Das Ziel sei, im Jahr 2030 eine wirtschaftliche Stabilität zu erreichen und so aufgestellt zu sein wie vor Corona. Dafür müsse man sich anstrengen und dürfe nicht abwarten, dass etwas passiert. Als Zukunftsthemen nannte Pavel Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Robotik und Gesundheitswesen. Auf diesen Feldern sei die Ostalb gut unterwegs. Ihre Stärke sei zudem, dass sie ein Produktionsstandort sei und Produkte anzubieten habe, die die Welt tatsächlich brauche. Kümmern müsse man sich jedoch um die Ausweisung von Industrieflächen und eventuell werde der zweite Arbeitsmarkt wieder ein Thema. Viele Hoffnungen setze er in den Mobilitätspakt für den Lebens- und Arbeitsraum zwischen Aalen und Heidenheim, den der Kreistag nun übrigens endgültig abgesegnet hat.

Gewerbeflächen dürfe man nicht verramschen, mahnte der Landrat, und die Bestandspflege dürfe man nicht vergessen. Die Hochschulen müsse man unterstützen, auch materiell, und die Berufsschulen müsse man auf höchstem Niveau halten.

Nadine Kaiser, die Geschäftsführerin der WiRO, teilte mit, dass zwölf Millionen Euro Corona-Soforthilfen auf die Ostalb geflossen sind. Die Region habe tolle Leuchttürme und sie sei zuversichtlich, dass es mit Ostwürttemberg gut weitergehen wird.

750 Anträge nach Corona-Krediten sind bei der Kreissparkasse Ostalb eingegangen, berichtete ihr neuer Vorstandsvorsitzender Markus Frei bei seinem ersten Auftritt im Kreistag. Das Kreditinstitut habe bislang 120 Millionen Euro Liquiditätsvolumina bewilligt. Außerdem seien 900 Tilgungsaussetzungen beantragt worden, zwei Drittel davon von Privatkunden. Die Kreissparkasse selbst werde die Auswirkungen der Kreditrisiken vermutlich im kommenden Jahr spüren, er rechne aber mit einem Minus von sechs bis zehn Millionen bei ihrem Betriebsergebnis.

Insgesamt zeigte sich Frei jedoch zuversichtlich, dass die regionale Wirtschaft „mit zwei blauen Augen" davonkommen werde. China, wo die Krise ihren Ausgang genommen habe, werde der Gewinner sein.

Die Bilanz, die Frei für das Jahr 2019 zog, sieht positiv aus: Die Bilanzsumme der Kreissparkasse ist von 5,133 auf 5,491 Milliarden Euro gestiegen, ein Plus von sieben Prozent oder 358 Millionen. Die Kundeneinlagen stiegen um 7,7 Prozent (313 Millionen) von 4,042 auf 4,355 Milliarden. Die Kundenausleihungen wurden um 217 Millionen (6,4 Prozent) gesteigert auf 3,592 Milliarden. Der Jahresüberschuss betrug 4,2 Millionen Euro. Mit 1,5 Millionen Euro wurden zahlreiche Einrichtungen und Unternehmungen gesponsert. Die Ausbildungsquote liegt weiter bei zehn Prozent, in den Jahren 2020 und 2021 will die Kreissparkasse 55 jungen Menschen eine Ausbildung ermöglichen. „Wir wollen trotz Digitalisierung die Nähe zu unseren Kunden beibehalten," gab Frei als Devise aus.

Landrat Klaus Pavel nannte die Kreissparkasse einen wichtigen Dienstleister in der Region in schwierigen Zeiten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten gute Arbeit geleistet, wofür der Landrat im Namen des Kreistags dankte. Er kritisierte eine überzogene Regulatorik, die auch kriminellen Finanzdienstleistern geschuldet sei. Das führe zu noch mehr Überwachung und Kontrolle, auch bei denen, die nicht dafür verantwortlich seien.