Die Region geht in die Offensive

IHK, Landkreise und die Großen Kreisstädte wollen erneut ihre Kräfte bündeln, um Ostwürttemberg fit für die Zukunft zu machen. Denn die Herausforderungen werden immer größer.

Quelle: GT - Autor: Robert Schwarz - Bild: rs

Aalen. Das vergangene Jahrzehnt war für die Wirtschaft in der Region ein Erfolg. Viele Firmen florierten, die Arbeitslosigkeit war niedrig, die Schlüsselbranchen Automobilwirtschaft, Maschinenbau sowie der Elektro- und optischen Industrie boomten. Um die Folgen der Pandemiekrise und den sich beschleunigenden Strukturwandel zu bewältigen, etwa der Autoindustrie, und globalen Trends wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu begegnen, haben sich IHK Ostwürttemberg, die Landkreise Heidenheim und Ostalb sowie die Großen Kreisstädte Aalen, Schwäbisch Gmünd, Heidenheim, Ellwangen und Giengen zu einer neuen Zukunftsoffensive zusammengeschlossen. „Es ist Zeit für eine große gemeinsame Anstrengung“, so IHK-Präsident Markus Maier bei der Vorstellung des Bündnisses.

Die Partner wollen in der Offensive ihre Kräfte bündeln und und Leitprojekte zur Unterstützung der regionalen Unternehmen auf den Weg zu bringen, konkret geht es dabei um die Bereiche Technologie, Innovation und Digitalisierung, Bildung und Arbeitsmarkt, Standortentwicklung, Infrastruktur und Regionalentwicklung sowie Standortmarketing. „Die Zukunftsoffensive ist ein starkes Zeichen und vermittelt eine wichtige Botschaft“, sagt Ostalb-Landrat Dr. Joachim Bläse. Man sei bereit, die Transformation aktiv zu gestalten. „Wir wollen auch die kleineren und mittleren Unternehmen dabei mitnehmen.“ Peter Polta, Landrat des Landkreises Heidenheim, nennt den Schulterschluss eminent wichtig. „Die Region ist gut aufgestellt, vor uns liegen große Herausforderungen.“

Für Aalens OB Thilo Rentschler ist es ein „Tag der Freude“. Die Zukunftsoffensive sei ein wichtiges Signal nach Stuttgart und Berlin. „Ohne die Unterstützung der Landes- und Bundesregierung wird es nicht gehen“, unterstreicht Rentschler, der am 1. Oktober als Hauptgeschäftsführer zur IHK wechselt. Das Bündnis hofft zum einen auf die finanzielle Unterstützung aus dem Zukunftsfonds Automobilwirtschaft des Bundes, andererseits darauf, dass das Land die Schirmherrschaft für die Zukunftsoffensive übernimmt. Gemeinsam müssten Wirtschaft und Politik die Voraussetzungen schaffen, um die Zukunft zu gestalten, so Rentschler. „Die vergangenen Zukunftsinitiativen waren erfolgreiche Prozesse, an die es nun anzuknüpfen gilt.“ 1995 und 2005 hatte es gemeinsame Projekte gegeben, um den Standort zu stärken.

Gmünds OB Richard Arnold will daran „mit Verve“ anschließen. Bereits vor Corona hätten Megatrends wie die Digitalisierung die Wirtschaft massiv verändert, Corona sei ein „Brandbeschleuniger“. Arnold befürchtet deshalb Verwerfungen am Arbeitsmarkt. „Es fallen derzeit keine billigen Jobs, sondern Arbeitsplätze in den mittleren und gehobenen Segmenten weg, etwa bei Banken, Versicherungen und eben Automobilfirmen.“ Die politischen Vorgaben zum Klimaschutz beschleunigen laut Gmünds OB den Wandel in der Autoindustrie, die noch immer eminent wichtig für die Region sei. „Klimawandel und Arbeitsplätze sind zwei Seiten der Medaille.“ Ostwürttemberg müsse zukünftig unter anderem Klimaschutz als Geschäftsmodell verstehen. Arnold führte den in Gmünd geplanten Wasserstoffcampus als Beispiel an.

In Ellwangen wiederum erhofft man sich von der Offensive zudem die Steigerung der Standortattraktivität. Angesichts des Fach- und Führungskräftemangels im Raum Ellwangen, unter dem viele Betriebe laut OB Michael Dambacher litten, müsse es gelingen, „junge Leute für die Region zu begeistern und auch hier halten zu können“. Auch das Thema Bildung und Forschung hoben alle OB hervor. „Das Ziel ist, die Region zukunftsfest zu machen“, erklärt Dambacher. „Eine starke Wirtschaft ist existenziell wichtig für alle Kommunen“, so Heidenheims OB Bernhard Ilg. Giengens OB Dieter Henle wiederum sieht die Region „in allen Positionen gut aufgestellt“. Dennoch fügt er an: „Heute beginnt die Arbeit.“

So soll die Zukunftsoffensive anlaufen

 

Die Region will bei der Zukunftsoffensive bei der Zusammenarbeit auf bewährte Konzepte setzen. So werde es eine regionsweite Lenkungsgruppe geben, die auf operativer Ebene durch die IHK und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft WiRO koordiniert werden soll. In den Prozess einbezogen werden sollen auch IHK-Vollversammlung, der WiRO-Aufsichtsrat und die kommunalen Wirtschaftsförderungen.

Angedachte Partner sind darüber hinaus die Agentur für Arbeit, Jobcenter, Branchenverbände, Gewerkschaften, die Hochschulen und Forschungsinstitute sowie der Regionalverband.

Von Anfang an eingebunden in die Überlegungen zur Offensive ist auch Markus Kilian, Geschäftsführer Südwestmetall Ostwürttemberg, gewesen, der im Bündnis nicht nur die Unternehmen und Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in der Region mit dem Qualifizierungsverbund unterstützen will.