Vom Ansturm überrollt

Start-up - Der Aalener Jochen Gabler war mit seinem Teelöffel „Greenspoon“ zur besten Sendezeit im deutschen TV. Im Interview spricht er über seine Erfindung, die Show „Das Ding des Jahres“ und die Reaktionen darauf.

Quelle: Wirtschaft Regional März 2018 - Autorin: Andrea Heidel - Foto: Geschmacksentfaltung

AALEN - Jochen Gabler hat noch nie eine Tasse Kaffee getrunken. Dafür kennt sich der 31-jährige Aalener umso besser mit Tee aus. Sein Start-up „Geschmacksentfaltung“ zeigt, dass aus einer Idee mit viel Fleiß und etwas Glück ein alltagstaugliches Produkt entstehen kann. In der Pro-7-Sendung „Das Ding des Jahres“ kam zwar sein Greenspoon“, ein faltbarer, lebensmittelechter und biologisch abbaubarer Löffel, in den der Tee bereits integriert ist, nicht ins Finale, aber gelohnt hat sich der Auftritt: Er hat seither Tausende E-Mails und Hunderte Bestellungen erhalten.

Wie kamen Sie auf die Idee, einen faltbaren Teelöffel zu entwickeln?

Jochen Gabler: Viele Jahre lang hielt ich morgens auf dem Weg zur Arbeit beim Bäcker und bestellte mir einen Tee „to go“. Ich bekam einen in Plastik eingeschweißten Teebeutel mit Metallklammern und kunststoffbeschichtetem Fähnchen. Dazu einen Plastiklöffel. Irgendwann fing ich an, darüber nachzudenken, wie viele dieser Plastiklöffel, Kunststoffverpackungen und Metallklammern wohl täglich unrecycelt im Müll landen. Tatsächlich sind es über 7,5 Milliarden Plastiklöffel pro Jahr und 50 Tonnen verarbeitetes Aluminium alleine in Deutschland. Ich dachte mir: Das müsste doch irgendwie nachhaltiger gehen. Vor über vier Jahren entwickelte ich dann den ersten Prototypen eines faltbaren Löffels mit Teefüllung.

Welche Herausforderungen kamen dann auf Sie zu?

Ich habe im Wohnzimmer Hunderte meiner ersten „Greenspoons“ gebastelt. Habe sie dann in meinen Rucksack gepackt und bin los, um Verpackungsmessen abzuklappern. Ich wollte mir einen Produzenten suchen, was sich als ziemlich schwierig herausgestellt hat. Über 700 Firmenkontakte hatte ich, bis ich tatsächlich die passenden Partner gefunden hatte. Nahezu alle Befragten fanden die Idee praktisch und klasse. Einige glaubten aber nicht, dass es möglich sei, ein Produkt aus Papier zu entwickeln, das zu 100 Prozent biologisch abbaubar und trotzdem stabil genug ist, um heißes Wasser, Zucker, Milch und Honig auszuhalten, aber auch absolut lebensmittelecht ist.

In welchen Varianten gibt es die „Greenspoons“?

Zunächst ist „Greenspoon“ als Werbeartikel mit verschiedenem Zubehör erhältlich. Als Löffel allein oder im Set mit einer Teetasse oder einem Aufbewahrungsglas. Der Löffel lässt sich mit dem Firmenlogo oder Text des Auftraggebers komplett individuell bedrucken. Auch hier verwenden wir natürlich nur TÜV-geprüfte lebensmittelechte Farben. Dieser Werbeartikelbereich läuft schon sehr gut. Dann gibt es den Bereich der Endkunden, die leckeren und natürlichen Tee genießen wollen, umweltbewusst sind und Wert auf ansprechendes Design legen. Dieser Bereich lief eigentlich erst nach meinem Auftritt bei PRO7 richtig an.
 


"Unterm Strich war die Show ein voller Erfolg."

Jochen Gabler, Erfinder des Greenspoon



Wie kam es zu Ihrem Auftritt in der Show „Das Ding des Jahres“?

Ich habe bei verschiedenen Innovations-Wettbewerben mitgemacht, zahlreiche Messen besucht und irgendwo wurde wohl Stefan Raabs Produktionsfirma auf mich aufmerksam. Seine Firma Raab TV produziert ja dieses Format unter anderem mit Joko Winterscheidt und Lena Gercke in der Jury. Sie haben mich kontaktiert und gefragt, ob ich mitmachen will. Natürlich wollte ich! Innerhalb von wenigen Wochen lief die Bewerbung und dann die ersten Drehs in Köln Ende 2017.

Wie unterscheidet sich die Sendung von der „Höhle der Löwen“?

Zwei Ideen treten hier gegeneinander an und das Studiopublikum stimmt darüber ab, welches es interessanter findet. Es gibt außerdem keine Investoren, an die man Anteile abgibt. Der Fokus liegt eher auf dem Unterhaltungsaspekt, und dem Zuschauer werden teils sehr lustige, aber auch erstaunliche Erfindungen gezeigt. Meine Folge wurde Ende Februar ausgestrahlt.

Warum haben Sie bei der Sendung mitgemacht?

Mir ging es gar nicht so sehr darum, die Show zu gewinnen. Mir ging es um die Aufmerksamkeit für mein Produkt, vor allem bei potentiellen Endkunden, aber auch Firmenkunden. Als Werbeartikel für Unternehmen lief der Greenspoon schon ganz gut, aber bei den Endverbrauchern war er noch relativ unbekannt.

Was hat sich seit der Ausstrahlung für Sie geändert?

Wir haben zwar im Vorfeld unsere Vorräte stark aufgerüstet und eine neue Homepage gebaut, wurden aber vom Ansturm überrollt. Tausende E-Mails mit Lob und Zuspruch gingen ein und Hunderte Bestellungen von Endkunden, Händlern und Supermärkten. Dazu Anfragen von interessierten Investoren, die wir aber noch im Detail prüfen. Unsere Homepage ist während der Ausstrahlung von mehreren Zehntausend Besuchern mehrmals in die Knie gegangen. Mittlerweile haben wir die Produktion an gemeinnützige und karitative Organisationen in der Region ausgelagert, weil wir selbst nicht mit der Produktion ausreichend nachkommen. Unterm Strich war die Show also ein voller Erfolg. Und natürlich sind die Erfahrungen, die ich während der Sendung gemacht habe, unbezahlbar. Wer kann schon von sich sagen, dass er mit Stefan Raab ein Bier trinken war? (lacht)

Das Team von Geschmacksentfaltung um Geschäftsführer und Gründer und Erfinder Jochen Gabler (rechts).