Das Geheimnis des Ökobechers

Beim digitalen Kreativforum Ostwürttemberg hat Vanessa Vanini von der Hochschule Aalen eine Idee zum umweltfreundlichen Kaffeetrinken vorgestellt

Quelle: GT - Autor: Bernhard Hampp - Bild: Max Walter

Beim Produktdesign und in der Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen spielt Nachhaltigkeit eine zunehmend größere Rolle. Das - und was ein Getränkebecher damit zu tun hat - ist Thema des Kreativforums Ostwürttemberg gewesen, das dieses Jahr erstmals eine dreiteilige digitale Veranstaltungsreihe war.

"320 000 Einwegbecher für Heißgetränke fallen stündlich in Deutschland als Abfall an." - Vanessa Vanini, Hochschule Aalen

Das Format wird im jährlichen Turnus von der regionalen Wirtschaftsförderung (WiRO) in Kooperation mit der Kontaktstelle Frau und Beruf Ostwürttemberg - Ostalbkreis, der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd und der Wirtschaftsförderung der Stadt Aalen angeboten und von der Medien- und Filmgesellschaft MFG Baden-Württemberg unterstützt. Es richtet sich besonders an Akteure der Kultur- und Kreativbranche.

„Die Berücksichtigung von ökologischen Kriterien bei der Entwicklung von Produkten und Services kann als Chance begriffen werden, die letztlich auch den Unternehmenserfolg sicherstellt“, so Prof. Matthias Held. Anhand zahlreicher Praxisbeispiele und Studierendenprojekte veranschaulichte der Gestalter und Professor des Studiengangs Produktgestaltung an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Schwäbisch Gmünd, dass Ecodesign „machbar und lohnend“ ist. Es gehe nicht darum, „Neues zu schaffen, sondern Besseres.“

Unternehmerische Best-Practice-Beispiele werden mit dem jährlich verliehenen „Bundespreis Ecodesign“ gewürdigt, in dessen Jury auch Held Mitglied ist. Diese Auszeichnungen schaffen Anreize, sowohl für andere Unternehmen als auch für die eigenen Mitarbeitenden, die sich mit dem Unternehmen identifizieren.

Ein Praxisbeispiel für nachhaltiges Produktdesign in der Eventbranche präsentierte Vanessa Vanini, Referentin für Nachhaltige Entwicklung an der Hochschule Aalen, Sie erforscht und erprobt die Herstellung eines nachhaltigen Mehrweg-To-Go-Getränkebechers aus Recyclingmaterial. „320 000 Einwegbecher für Heißgetränke fallen stündlich in Deutschland als Abfall, an“, erklärt Vanini. „Hier muss ein Umdenken und eine Veränderung stattfinden“. Da sie keine adäquate Lösung am Markt fand, hat sie beschlossen, die Sache selbst in die Hand zu. nehmen und begann den Prozess rückwärts zu denken. Nicht das Konsumverhalten des „To-Go-Nutzers“ ändern, sondern das Konsumprodukt Kaffeebecher verbessern, das ist das Ziel der engagierten Wissenschaftlerin. Gute Gründe für ein Umdenken gibt es viele: die Ressourcenschonung, der Umwelt und Klimaschutz sowie die Gesundheit von Mensch und Tier.

Im Vergleich zu anderen Mehrweg-Anbietern will Vanini den Kreislauf nach Möglichkeit komplett schließen. In der Regel muss nach einer bestimmten Anzahl an Recyclingdurchgängen dem Produkt wieder Frischmaterial zugeführt werden, da sich die Materialeigenschaften mit jedem Durchlauf verändern. Diese Veränderung ist in Bezug auf das Produkt des Bechers jedoch sekundär. Vaninis Becher hingegen soll zu 100 Prozent aus Recyclingmaterial bestehen.

Das Team „Polyperformer“

Die „Polyperformer“, so nennt sich die Gruppe, sind bisher noch kein Start-up. Vielmehr steht die Idee, aus der eine Gründung entstehen soll, im Mittelpunkt, wie Vanessa Vanini, Initiatorin und Ideengeberin, betont. Ihre Mitstreiterin Eva Kurrle ist verantwortlich für das Design. Sie studiert Produktgestaltung an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd. Langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Kunststoffe und deren Verarbeitungstechnik bringt Prof. Dr. Iman Taha ins Team, Sie ist neu berufene Professorin für nachhaltige Werkstoffe in der Kunststofftechnik an der Hochschule Aalen. „Johannes Büker von der Universität Rostock unterstützt mich ebenfalls bei der Umsetzung meiner Idee“, so Vanini.

Sie betont: „Unsere Mission ist es, nachhaltige Produkte zu schaffen.Dabei fangen wir mit der Produktion eines individuell anpassbaren Mehrweg-Isolierbechers für Heiß- und Kaltgetränke an, um dann unser Produktportfolio weiter nach Verbraucherbedarf und Kundenwunsch auszubauen. Das Ziel ist, unsere Produkte aus 100 Prozent recyceltem Kunststoff herzustellen, diese mehrfach im Umlauf zu behalten und am Ende des Produktiebenszyklus wiederum zu 100 Prozent einem Recyclingkreislauf zuzuführen. Dabei sollen die Lieferketten sämtlicher benötigter Ressourcen kürz, transparent und rückverfolgbar sein.“

Dass sich der Markt für solche innovativen Ideen öffne, zeige die Nachfrage nach dem „Ökobecher“, die bereits jetzt vorhanden sei. „Es haben schon Kunden angefragt, die das Produkt unbedingt wollen“, freut sich Vanini. Derzeit wird der neue Becher auf seine Patentfähigkeit geprüft.