Eine Lokomotive für die Region

Mit einem Technologie-Campus will Schwäbisch Gmünd zu einem Zentrum für Wasserstoff werden. OB Richard Arnold erklärt den Plan.

Quelle: GT - Autor: Robert Schwarz - Bild: GT

Vor einigen Monaten hat der Gmünder Gemeinderat einstimmig die Grundsatzentscheidung für das Projekt getroffen, nun hat OB Richard Arnold beim digitalen Unternehmertreff der Wirtschaftsförderung Ostwürttemberg (WiRO) erklärt, wie er die Stadt – und mit ihr die Region – zu einer „Lokomotive für neue Technologien“ machen möchte: Während andere Standorte sich der Elektromobilität verschrieben haben, soll Gmünd zu einem wichtigen Standort der Wasserstofftechnik werden.

In den kommenden Jahren soll im Gewerbegebiet Gügling das „H2-Aspen – Greater Stuttgart“ entstehen. Die Stadt möchte hier Firmen und Forschungseinrichtungen rund um die Wasserstofftechnologie ansiedeln. Sie reagiert damit auf den Strukturwandel in der Autoindustrie, der in Gmünd und der Region bereits zahlreiche Arbeitsplätze gekostet hat. „Wir haben Handlungsbedarf, jeder zweite Arbeitsplatz hängt am produzierenden Gewerbe“, so Arnold. „Wenn die aktuelle Entwicklung nicht zur Talfahrt oder gar zu einem freien Fall führen soll, müssen wir jetzt etwas tun.“

Deshalb versteht die Stadt das Projekt als eines der gesamten Region. „Wir in Ostwürttemberg müssen Visionen entwickeln und nach außen tragen. Wir sind die Region der Tüftler, der Talente und Patente. Diesen Trumpf müssen wir jetzt ausspielen“, sagt der OB, der die IHK mit ins Boot holen will. Ihm geht es auch um die Außenwirkung der Region, die selbst im recht nahen Stuttgart noch reichlich Potenzial zu haben scheint. „Aus Gesprächen dort weiß ich: Da hocken viele Akteure noch unter einer Käseglocke, für einige liegt Ostwürttemberg nur knapp vor Moskau.“

Parallel zu den Planungen laufen die ersten Gespräche mit Firmen, Magna Steyr, Voestalpine und PTS gelten als jene Kandidaten, die bereits einen Standort in der Nähe betreiben, auch die Forschungseinrichtung fem und die Hochschule Aalen als wichtige Partner nennt der OB – sehr zur Freude von Prorektor Prof. Harald Riegel, der in den 1990er-Jahren zum Thema Wasserstoff promoviert hatte und erklärt: „Wir sind natürlich froh, dass es nun direkt vor unserer Haustür losgeht. Wir sind dabei!

“Wir in Ostwürttemberg müssen Visionen entwicken" - Richard Arnold, OB Schwäbisch Gmünd

Parallel läuft die Suche nach dem großen prominenten Neuzugang mit Signalwirkung über Land und Region hinaus. „Wir sind in Gesprächen mit größeren Automobilfirmen“, sagt OB Arnold. Zuletzt war etwa dem neuen Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und Volvo Interesse an dem Standort nachgesagt worden. „Vielleicht liegt der Fokus dieser Konzerne aktuell noch zu sehr auf dem Standort Stuttgart.“ Gmünds Wirtschaftsförderer Alexander Groll steht zudem im Austausch mit seinem Pendant des Landkreises Heidenheim, Michael Setzen. „Gemeinsam sprechen wir potenzielle interessierte Firmen in der Region an“, so Setzen.

Das Projekt, betonen Arnold und Groll, soll kein beliebiges Industriegebiet werden. Aktuell lässt die Stadt vom Siemens-Konzern ein Gutachten anfertigen, inwieweit der Standort mit jenen erneuerbaren Energien versorgt werden kann, die Windpark, Photovoltaik-Anlagen und einem Biogas-Kraftwerk in der Umgebung ohnehin produzieren. Die Energie soll den in einem ersten Ausbauschritt 35 Hektar großen Technologiepark nahe des Aspenfelds antreiben und die Herstellung „grünen“ Wasserstoffs ermöglichen. „Der Campus soll nicht nur für die Wirtschaft, sondern für die Stadt und Menschen einen Mehrwert bieten“, sagt Arnold. Dazu gehören Rad- und Fußwege auf dem Gelände, Grünflächen sowie Streuobstwiesen und eine Grünschneise durch das Areal.

Derzeit laufen die Verhandlungen zum Grunderwerb sowie die Voruntersuchungen des Gebiets. Mit dem Bebauungsplanverfahren will die Stadt noch im März starten, die Baufläche soll bis Ende 2022 erschlossen, parallel die Bauanträge bearbeitet werden, ehe im ersten Quartal 2023 die ersten Baugenehmigungen folgen sollen. 2025 könne bereits die erste Serienproduktion starten. „Bis dahin müssen wir es geschafft haben“, sagt Arnold. Die Zeit dränge. „Wenn wir künftig bestehen wollen, müssen wir an der Spitze der Technologien stehen.“