Kreativforum Ostwürttemberg 2026

Inklusion ist Treiber für Innovation – Das Kreativforum Ostwürttemberg 2026 zeigt deutlich, welche Möglichkeiten entstehen, wenn Integration passiert.

Was bedeutet es, Räume, Produkte und digitale Angebote so zu entwickeln, dass sie wirklich für alle funktionieren? Und was haben Unternehmen und Institutionen davon, wenn sie Vielfalt von Anfang an mitdenken? Diese Fragen wurden am 15. April beim Kreativforum Ostwürttemberg an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd (HfG) beantwortet. Ganz im Zeichen inklusiven Designs luden die Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbh Region Ostwürttemberg (WiRO), die HfG, die Kontaktstelle Frau und Beruf Ostwürttemberg-Ostalbkreis und die Wirtschaftsförderung der Stadt Aalen zum praxisnahen Austausch ein. Das Format zeigte eindrucksvoll, dass von Design, das marginalisierte Gruppen von Anfang an mitdenkt, alle profitieren. In Impulsvorträgen und in Form konkreter Projektvorstellungen erhielten die über 60 Besucherinnen und Besucher Einblicke in die Bedeutung inklusiven Designs und die Innovationmöglichkeiten einer Gestaltung, die Barrieren abbaut.

Maren Schmohl, Rektorin der Hochschule für Gestaltung, betonte bereits in ihrer Begrüßung: „Inklusion ist ein Qualitätskriterium“, und machte damit darauf aufmerksam, dass Produktion und Gestaltung oftmals von einem Durchschnittsbürger ausgehe. Diversität werde ausgeblendet, und Produkte schließen ganze Bevölkerungsgruppen aus.

Bewusstsein schaffen - ungewolltes Ausgrenzen vermeiden

Die Professoren Marc Guntow und Ulf Harr machten im Impulsvortrag darauf aufmerksam, dass Inklusion schon ganz niederschwellig beginnt – zum Beispiel beim Kontrastumfang des Veranstaltungsplakates. Dabei gilt zu beachten, dass Einschränkungen dauerhaft, temporär oder situativ sein können. Wer also sogenannte „extreme users“ in seinem Gestaltungsprozess mitdenkt, erleichtert auch anderen Personen die Nutzung. Das anschaulichste Beispiel hierfür sind abgesenkte Bordsteine.

Auch den rechtlichen Rahmen setzen die Professoren in ihrem Vortrag. Der European Accessibility Act regelt die Richtlinien für Barrierefreiheit bei Webdiensten, welche in den Web Content Accessibility Guidelines aufgeführt sind.

„Inclusion is an action“

Im Anschluss an den Impulsvortrag stellten drei Studierendengruppen die Ergebnisse ihrer Bachelorarbeiten vor und zeigten eindrücklich: Barrieren sind kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem. Und wer Inklusion in Produktentwicklung einbindet schafft Innovationen.

Luca Palanga und Victor Blaga präsentierten „Ausono“, eine Notizen-App für das Tablet, die über ein Ansteckmikrofon als Teil eines Stifts das Gesagte von den Lehrkräften transkribiert und strukturiert. Konzipiert wurde die Idee für Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen im Autismusspektrum, die mit sensorischen Überreizungen zu kämpfen haben.

Alicia Link zeigte in ihrer Forschung zusammen mit ihrem Kollegen Robert Kremer, dass Inklusion im Katastrophenschutz derzeit nicht bedacht ist. Auf Grundlage dieser Erkenntnis entwickelten sie ein symbolgestütztes App-Tool für Einsatzkräfte, welches vor Ort im Katastrophenfall Sprachbarrieren beseitigt und niederschwellig Kommunikation ermöglicht. Ein analoges Faltblatt in Symbol- und Bildsprache, das die Bandbreite der Personen erweitert, die sich zum Thema Selbsthilfe in Notfällen beschäftigen, erweitert das Produktportfolio.  

Auch im Live-Theater ist Inklusion möglich, zeigte Joschua Rothenbacher mithilfe seines KI-gestützten Tools „zebra“. Zebra will die kulturelle Teilhabe von blinden und tauben Menschen ermöglichen. Das Tool schafft eine Arbeitsumgebung für Audiodeskriptionen, die Überschneidungen in Beschreibungston und einer Theatervorstellung minimieren soll. Zebra leistet damit einen Beitrag, kulturelle Teilhabe für alle zu fördern. Rothenbacher verwies in seiner Präsentation auch auf die Schwierigkeiten von Inklusion im Produktdesign. „Zu teuer. Zu schwer. Zu wenig Publikum.“, so Rückmeldungen aus der Theaterbranche. Genau da setzt zebra an und zeigt: Innovationen können Effizienz schaffen, Kosten reduzieren und das Portfolio erweitern.

In der darauffolgenden Abschlussdiskussion wurde zusammenfassend deutlich: „Wer für die Ränder gestaltet, gestaltet für alle“.

Info:
Das Kreativforum Ostwürttemberg ist eine kostenfreie Branchenveranstaltung, die aktuelle Themen und Trends aufgreift und eine Plattform für Diskussion, Austausch und Netzwerken bietet. Das Kreativforum wird von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Region Ostwürttemberg (WiRO), der Kontaktstelle Frau und Beruf Ostwürttemberg – Ostalbkreis, der Wirtschaftsförderung der Stadt Aalen sowie der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd ausgerichtet und durch die MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg unterstützt.

 Bildnachweise: Kreativforum Ostwürttemberg 2026

Fotos: © WiRO

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Teilnehmende des Kreativforum Ostwürttemberg 2026

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