Im Fokus stand ein Thema, das für viele Betriebe in der Region zunehmend an Bedeutung gewinnt: flexible Ausbildungsmodelle. Sie können vor allem Menschen erreichen, die aufgrund familiärer Verpflichtungen, Pflegeaufgaben, gesundheitlicher Einschränkungen oder anderer Lebenssituationen keine klassische Vollzeitausbildung absolvieren können.
„Teilzeitausbildung ist kein Sonderweg, sondern ein konkretes Instrument der Fachkräftesicherung“, machte Tarla B. Naffin deutlich. „Wer Ausbildung flexibler denkt, erweitert den Bewerberkreis und gewinnt Menschen, die häufig besonders motiviert, organisiert und langfristig orientiert sind.“
Für Unternehmen liegen die Vorteile auf der Hand. Teilzeitausbildung kann neue Bewerbergruppen erschließen, die Bindung an den Betrieb stärken und zur Entlastung bestehender Teams beitragen. Gleichzeitig können Betriebe ihr Profil als familienfreundlicher und sozial verantwortlicher Arbeitgeber schärfen.
Bei der Teilzeitausbildung wird die betriebliche Ausbildungszeit reduziert. Die Berufsschule findet in der Regel im gleichen Umfang wie bei einer Vollzeitausbildung statt. Die Ausbildungsdauer kann sich dadurch verlängern, gleichzeitig bestehen Möglichkeiten zur Verkürzung oder zum Vorziehen der Abschlussprüfung. Die konkrete Ausgestaltung richtet sich nach den individuellen Absprachen zwischen Betrieb und Auszubildenden.
Wie Teilzeitausbildung in der Praxis gelingen kann, zeigte das Gespräch mit Simone Schmied von den Stadtwerken Schwäbisch Gmünd. Sie berichtete aus den Erfahrungen ihres Unternehmens und bestätigte die positiven Effekte des Modells. Bei den Stadtwerken konnten bereits fünf Frauen über eine Ausbildung in Teilzeit als Industriekauffrau erfolgreich qualifiziert werden. Besonders deutlich sei dabei geworden, wie groß die Dankbarkeit für diese Chance und das daraus entstehende Engagement der Auszubildenden gewesen seien.
„Wir haben mit der Teilzeitausbildung sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagte Simone Schmied. „Die Frauen, die diesen Weg bei uns gegangen sind, waren hoch motiviert, zuverlässig und sehr dankbar für die Möglichkeit, Ausbildung und persönliche Lebenssituation miteinander zu vereinbaren.“
Schmied sieht in der Teilzeitausbildung auch für andere Betriebe eine realistische Option. Voraussetzung sei allerdings, dass die Abstimmung mit den Berufsschulzeiten möglich ist. „Wenn die Rahmenbedingungen passen, kann ich diesen Weg nur empfehlen. Unternehmen gewinnen engagierte Auszubildende und eröffnen gleichzeitig Menschen eine berufliche Perspektive, die sonst vielleicht nicht möglich wäre“, so Schmied.
Auch die betriebliche Einzelumschulung wurde als Alternative vorgestellt. Sie richtet sich an Menschen mit Berufserfahrung und ist in der Regel um ein Drittel gegenüber der regulären Ausbildungszeit verkürzt. Die zuständigen Kammern begleiten die Umschülerinnen und Umschüler wie Auszubildende. Über Bildungsgutscheine der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters können entsprechende Maßnahmen gefördert werden.
„Fachkräftesicherung ist keine kurzfristige Aufgabe, sondern ein gemeinsamer Auftrag für Wirtschaft, Beratung, Verwaltung und Bildungsträger“, betonte Naffin. „Entscheidend ist, dass Betriebe den Perspektivwechsel wagen und neue Ausbildungswege nicht als Belastung, sondern als Investition in die Zukunft sehen.“
Die AJO e.V. wurde 1987 in Aalen gegründet und unterstützt benachteiligte Personengruppen beim Einstieg in Arbeit, Ausbildung und Qualifizierung. An sechs Standorten in Ostwürttemberg begleiten 51 Mitarbeitende jährlich rund 1.000 Menschen. Ein Schwerpunkt liegt auf Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund.
Der UnternehmerTREFF digital ist ein etabliertes Veranstaltungsformat der Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH Region Ostwürttemberg. Es bietet Unternehmen und Wirtschaftsakteuren der Region regelmäßig Fachimpulse, lädt zum Austausch ein und eröffnet neue Perspektiven auf aktuelle betriebliche Herausforderungen.
WiRO UnternehmerTREFF digital
Im Rahmen des regelmäßig stattfindenden „UnternehmerTREFF digital“ lädt die WiRO die regionalen Unternehmen sowie Wirtschaftsakteure bei einem digitalen Austausch dazu ein, aktuelle fachspezifische Themen auf dieser Plattform zu diskutieren und ermuntert zu einem Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Unternehmerinnen und Unternehmer haben die Möglichkeit, ihr Unternehmen und ihr Fachthema vor einem breiten Publikum zu präsentieren sowie Impulse von außen zu erhalten. Die Teilnehmenden erhalten Einblicke in das Arbeitsumfeld anderer Betriebe und ebenfalls Impulse für die eigene Arbeit.

